Lange Jahre
hat Edel Mihm die Projektpartnerschaft mit El Salvador betreut. Mit nun 90
Jahren heißt es für sie: loslassen und die Partnerschaft in andere Hände geben.
In der „Projektpartnerschaft für Eine Welt Saarlouis" übernimmt nun Dana
Rocha-Schaefer diese Aufgabe.
Zeit, in einem
Gespräch zurückzuschauen, um die Projektpartnerschaft zu verstehen. Der Kontakt
zwischen Edel Mihm und den Projekten entstand, weil sie von 1969 bis 1970 mit
ihrer Familie in El Salvador lebte. Ihr Mann war über eine Bundesanstalt
dorthin entsandt worden, die Kinder besuchten in dieser Zeit die dortige
Schule.
Edel Mihm wurde
untersagt zu arbeiten – so hatte sie Zeit, das Land zu bereisen. Sie erinnert
sich, dass sie sich in das Land verliebte. Nach der Rückkehr nach Deutschland
pflegte sie die Kontakte weiter.
Als es in El
Salvador zu Aufständen kam, unterstützte sie ihre dortigen Freundinnen und
Freunde. Nach der Ermordung des dortigen Erzbischofs trat sie der
Solidaritätsgruppe „El Salvador Gruppe" bei und kam so zum Laden „La
Tienda".
In der Folge
reiste sie fast jährlich nach El Salvador. Nach dem schweren Erdbeben im Jahr
1986 wurden im Saarland verstärkt Solidaritätsaktionen durchgeführt. In dieser
Zeit lernte sie Ordensschwestern in El Salvador kennen und wohnte bei ihren
Besuchen immer in den Klöstern. Es entwickelten sich intensive Freundschaften
zu den Ordensschwestern; Kontakt bestand außerdem zu Gewerkschaftern und
weiteren Mitarbeitern der Kirche.
In den
folgenden Jahren pendelte sie zwischen den lateinamerikanischen Ländern
(Panama, Nicaragua, Honduras, Mexiko, Guatemala, Ecuador) und lernte sie
intensiv kennen. Es bestanden in dieser Zeit bundesweit entsprechende
Netzwerke. Sie erinnert sich, dass für eine bestimmte Person in El Salvador
eine „Wurst" auf einem Flug mitnehmen musste. Auf einer Reise mit
Zwischenlandung in den USA wurde sie bei der Kontrolle gefragt, was sie im
Koffer habe. Sie antwortete, sie habe eine Wurst für einen Arzt in El Salvador
dabei, der nur operieren könne, wenn er sie bekomme. Mit dem Hinweis, sie solle
der Kontrolleurin oder dem Kontrolleur bei der nächsten Reise ebenfalls eine
Wurst mitbringen, durfte sie passieren.
Auf ihren
Reisen sah sie viel Armut. In Erinnerung geblieben ist ihr ein junges Mädchen,
das mit offenen Fersen bettelte und nur auf Zehenspitzen gehen konnte.
Gute
Erinnerungen verbindet sie damit, an ein und demselben Tag sowohl im Atlantik
als im Pazifik schwimmen zu können.
Im Jahr 2009
fand der letzte Besuch statt. Danach konnte sie die Länder aus gesundheitlichen
Gründen nicht mehr bereisen. In der aktiven Zeit entstanden intensive Kontakte
zu verschiedenen Projekten, die sie in der Folgezeit unterstützte. Ein reger
Austausch besteht bis heute mit dem Weltladen Witzenhausen, der die Projekte
ebenfalls unterstützt.
Heute lebt Edel
Mihm im „Haus am Steinhübel" der Stiftung Kreuznacher Diakonie in
Saarbrücken. Sie blickt mit großer Zufriedenheit auf ihr Leben zurück. Im
persönlichen Rückblick stellt sie fest, dass sie in dieser Zeit viel lernen
durfte – was ihr bis heute zugutekommt.
Michael
Leinenbach
Oktober, 2026