Sonntag, 25. Oktober 2026

Verantwortung gilt nur für die Zeit der Zuständigkeit — nicht davor, nicht danach.

Der Satz, der zwei Begriffe verbindet: 


Verantwortung (das, wofür jemand geradesteht) 

und

Zuständigkeit (der Zeitraum, in dem jemand etwas zu entscheiden hat). Die Kernthese: Verantwortung ist zeitlich begrenzt — sie beginnt mit der Zuständigkeit und endet mit ihr



Drei Zeiträume, drei Regeln

Vor der Zuständigkeit liegt keine Verantwortung: Geerbte Missstände oder Entscheidungen von der Vorgängerschaft begründen keine Schuld. Wer zuständig wird, kann sie korrigieren — muss sich aber nicht für sie verantworten.

Während der Zuständigkeit gilt die volle Verantwortung: für eigenes Handeln wie für eigenes Unterlassen, ohne Abstriche.

Nach der Zuständigkeit endet die Verantwortung: Was nach einer Übergabe geschieht, liegt bei der nachfolgenden Person.




Ohne zeitliche Grenze wäre jede Person für alles verantwortlich — und wer für alles verantwortlich ist, ist für nichts richtig verantwortlich. Klare Grenzen machen Verantwortung messbar, tragbar und dadurch überhaupt erst übernehmbar.









Edel Mihm übergibt die Projektpartnerschaft

 Lange Jahre hat Edel Mihm die Projektpartnerschaft mit El Salvador betreut. Mit nun 90 Jahren heißt es für sie: loslassen und die Partnerschaft in andere Hände geben. In der „Projektpartnerschaft für Eine Welt Saarlouis" übernimmt nun Dana Rocha-Schaefer diese Aufgabe.

Zeit, in einem Gespräch zurückzuschauen, um die Projektpartnerschaft zu verstehen. Der Kontakt zwischen Edel Mihm und den Projekten entstand, weil sie von 1969 bis 1970 mit ihrer Familie in El Salvador lebte. Ihr Mann war über eine Bundesanstalt dorthin entsandt worden, die Kinder besuchten in dieser Zeit die dortige Schule.

Edel Mihm wurde untersagt zu arbeiten – so hatte sie Zeit, das Land zu bereisen. Sie erinnert sich, dass sie sich in das Land verliebte. Nach der Rückkehr nach Deutschland pflegte sie die Kontakte weiter.

Als es in El Salvador zu Aufständen kam, unterstützte sie ihre dortigen Freundinnen und Freunde. Nach der Ermordung des dortigen Erzbischofs trat sie der Solidaritätsgruppe „El Salvador Gruppe" bei und kam so zum Laden „La Tienda".

In der Folge reiste sie fast jährlich nach El Salvador. Nach dem schweren Erdbeben im Jahr 1986 wurden im Saarland verstärkt Solidaritätsaktionen durchgeführt. In dieser Zeit lernte sie Ordensschwestern in El Salvador kennen und wohnte bei ihren Besuchen immer in den Klöstern. Es entwickelten sich intensive Freundschaften zu den Ordensschwestern; Kontakt bestand außerdem zu Gewerkschaftern und weiteren Mitarbeitern der Kirche.

In den folgenden Jahren pendelte sie zwischen den lateinamerikanischen Ländern (Panama, Nicaragua, Honduras, Mexiko, Guatemala, Ecuador) und lernte sie intensiv kennen. Es bestanden in dieser Zeit bundesweit entsprechende Netzwerke. Sie erinnert sich, dass für eine bestimmte Person in El Salvador eine „Wurst" auf einem Flug mitnehmen musste. Auf einer Reise mit Zwischenlandung in den USA wurde sie bei der Kontrolle gefragt, was sie im Koffer habe. Sie antwortete, sie habe eine Wurst für einen Arzt in El Salvador dabei, der nur operieren könne, wenn er sie bekomme. Mit dem Hinweis, sie solle der Kontrolleurin oder dem Kontrolleur bei der nächsten Reise ebenfalls eine Wurst mitbringen, durfte sie passieren.

Auf ihren Reisen sah sie viel Armut. In Erinnerung geblieben ist ihr ein junges Mädchen, das mit offenen Fersen bettelte und nur auf Zehenspitzen gehen konnte.

Gute Erinnerungen verbindet sie damit, an ein und demselben Tag sowohl im Atlantik als im Pazifik schwimmen zu können.

Im Jahr 2009 fand der letzte Besuch statt. Danach konnte sie die Länder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bereisen. In der aktiven Zeit entstanden intensive Kontakte zu verschiedenen Projekten, die sie in der Folgezeit unterstützte. Ein reger Austausch besteht bis heute mit dem Weltladen Witzenhausen, der die Projekte ebenfalls unterstützt.

Heute lebt Edel Mihm im „Haus am Steinhübel" der Stiftung Kreuznacher Diakonie in Saarbrücken. Sie blickt mit großer Zufriedenheit auf ihr Leben zurück. Im persönlichen Rückblick stellt sie fest, dass sie in dieser Zeit viel lernen durfte – was ihr bis heute zugutekommt. 

 

Michael Leinenbach

Oktober, 2026