Sonntag, 23. August 2026

Nicht „für oder über“ sondern „mit“!!

Selbstorganisation, Teilhabe und Inklusion - lange Tradition in der SAK 


Teilhabe und Inklusion ist schon seit der Gründung der Saarländischen Armutskonferenz (SAK) e.V. ein fester Bestandteil Ihrer DNA. Das aktuelle Projekt der SAK zur Selbstorganisation und Teilhabe für Menschen mit Armutserfahrungen ist „SAK nah dran“. https://sak-ev.de/sak-aktiv/sak-nah-dran/

Darüber hinaus nutzt die SAK weitere Formate, um Teilhabe und Inklusion zu ermöglichen und Gespräche zu führen.

Unter dem Titel „ SAK trifft Alex“ interviewt Michael Leinenbach, Vorsitzender der SAK die Armutsaktivistin und Pazifistin Alex Embs.

Alex Embs hat langjährige Armutserfahrung und wird im Interview über ihr Leben, ihre Erfahrungen mit der Gesellschaft, dem Gesundheitssystem, sozialen Trägern und Behörden sprechen.

Alex ist engagiert in der AG Treffen der Menschen mit Armutserfahrung der Nationalen Armutskonferenz.
Weitere Informationen zu Alex Embs: https://www.instagram.com/p/DW0q1_kFiMi/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA==


Wann:     15.09.2026
Ort:           Saarländische Armutskonferenz e.V.
                   – Johannes-Foyer –
                  Ursulinenstraße 67
                   66111 Saarbrücken

Beginn:     17.30 Uhr

Come together ab 17.30. Im Anschluss der Veranstaltung laden wir zu einem kleinen Umtrunk ein!


Um Anmeldung wird aus organisatorischen Gründen gebeten. Interessierte können sich über Eveeno registrieren (https://eveeno.com/110924307).


Die SAK lädt gemeinsam mit der Rosa Luxemburg Stiftung und der Peter Imandt Gesellschaft e.V. und dem Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) e.V. Landesverband Saar, zum SAK Talk ein.

Florian Spaniol zu Besuch bei „SAK nah dran – Saarbrücken“

Auf Einladung von „SAK nah dran – Saarbrücken“ tauschte sich Florian Spaniol, Landesvorsitzender der Linken im Saarland, mit der Gruppe aus. Irene Portugall, die Leiterin der Initiative, begrüßte ihn herzlich und stellte die Arbeit sowie die Entwicklung der Gruppe seit Februar 2026 vor. Neben den kulturellen Aktivitäten im Rahmen der Teilhabe liegt ein besonderer Fokus auf der politischen Teilhabe: Die Gruppe möchte sich mit Vertretern demokratischer Parteien austauschen, um deren Ideen, Vorstellungen und konkreten politischen Positionen zum Thema Armut kennenzulernen. Mit der Einladung von Florian Spaniol wurde dieses Vorhaben nun in die Tat umgesetzt und das Projekt gestartet.


Spaniol bedankte sich für die Einladung und präsentierte politischen Ziele der Linken im Saarland, wobei er besonders die langjährige Unterstützung der Saarländischen Armutskonferenz als Fördermitglied hervorhob. Seine politischen Erfahrungen sammelte er unter anderem im Hochschulrat der Universität des Saarlandes, im Studentenparlament sowie im Stadtrat von Homburg. Sein Engagement sieht er vor allem dort, wo Menschen in ihren Rechten beschnitten oder diese nicht gewährt werden.

Im Zusammenhang mit dem Thema Armut kritisierte er, dass der Saarländische Landtag sich die Diäten erhöht habe, während gleichzeitig Reallöhne und Transferleistungen gesunken seien.


Gesundheitsversorgung: Zweiklassensystem und Reformbedarf

Eine Frage aus der Gruppe bezog sich auf die medizinische Grundversorgung im Saarland. Spaniol verwies darauf, dass die aktuelle Bundespolitik Zuzahlungen erhöht und psychotherapeutische Leistungen einschränkt. Diese Maßnahmen seien keine Reformen, sondern Kürzungen, die eine Zweiklassengesellschaft in der Gesundheitsversorgung verstärken. Während die private Krankenversicherung verschont bleibe, würden einkommensschwache und ältere Menschen belastet. Die Linke fordert daher die Abschaffung des Zweiklassensystems in der Gesundheit sowie die Einrichtung regionaler Gesundheitszentren und einer mobilen Gesundheitsversorgung im Saarland. Im ersten Schritt sollte die telefonische Krankschreibung wieder möglich sein.

Hitzeschutz und Wohnungsbau: Rechte durchsetzen, Wohnraum schaffen

Auf die Frage nach Hitzeschutz in Wohnungen verwies Spaniol auf bestehende Regelungen wie Mietminderungen bei Hitze, deren Umsetzung jedoch oft scheitere. Ein zentrales Problem sei, dass Mieter: innen, die ihre Rechte einfordern, Kündigungen riskieren.
Die Linke setze sich für den Ausbau von sozialem und bezahlbarem Wohnungsbau ein. Öffentliche Wohnungsunternehmen sollten in Genossenschaften umgewandelt werden, und bis ausreichend Wohnraum verfügbar ist, fordert sie einen Mietendeckel sowie die Abschaffung von Schrottimmobilien. Wohnen ist ein Menschenrecht.

Wohnraum müsse den Bedürfnissen der Menschen entsprechen – nicht denen von Investoren. Daher fordert die Linke eine dauerhafte Bindung staatlich geförderter Wohnungen, Mieten, die dem Mietspiegel entsprechen, sowie ein Verbot von Mietsteigerungen und automatischen Mieterhöhungen. Das Recht auf ausreichend Wohnraum für alle müsse garantiert werden.

Arbeitsmarkt: Sanktionen abschaffen, Perspektiven ermöglichen

Der Arbeitsmarkt sei für Menschen in Transferleistungen besonders schwierig: Mindestlöhne werden auf die Transferleistungen angerechnet, und bei drei verpassten Terminen werden die Leistungen gestrichen. Bürokratie und Hürden nehmen zu, was Wohnungslosigkeit begünstige.
Die Linke fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen, um Menschen Perspektiven zu ermöglichen. Sie plädiert für einen Paradigmenwechsel: Weg von Sanktionen, hin zu Chancen und Teilhabe. Zudem müsse der zweite Arbeitsmarkt wieder gestärkt werden. Verhindert werden muss, dass Menschen durch staatliche Institutionen in prekäre Jobs gedrängt werden. Aus der Gruppe kam der Vorschlag, Projekte zu schaffen, in denen Menschen verschiedene Arbeitsfelder testen können.

Nachbarschaftskantinen: Teilhabe statt Fürsorge

Auf die abschließende Frage, welche konkreten Projekte die Linke gegen Armut vorschlage, betonte Spaniol, dass seine Partei echte Teilhabe in allen Lebensbereichen anstrebe – nicht nur eine Reduzierung auf Fürsorge. Ein zentrales Projekt sei die Einrichtung von Nachbarschaftskantinen in saarländischen Kommunen. Diese sollten Begegnung und Austausch ermöglichen, günstige Verpflegung anbieten und so Kommunikation und gesellschaftliche Entwicklung fördern.



Autor und Fotos: Michael Leinenbach 

Sonntag, 9. August 2026

Menschenrechtsorientierte anstelle technokratische Teilhabe ermöglich

Der VPSA e.V. fordert den Bund und die Länder auf konsequent die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) durchzuführen. Gleichsam müssen Umweltfaktoren wie der Klimawandel (z.B. Hitzewellen) als strukturelle Barrieren (analog der BRK) deutlich stärker in den Blick genommen werden.

Ein weiteres Thema mit dem sich die Mitgliederversammlung befasste betraf das Thema Teilhabe und Inklusion. Der VPSA e.V. fordert eine konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Dabei steht die Teilhabeperspektive im Mittelpunkt, die eine präzise und menschenrechtsorientierte Begriffsbestimmung von Behinderung erfordert.

Der VPSA e.V. fordert, Umweltfaktoren wie den Klimawandel (z.B. Hitzewellen) zu den strukturellen Barrieren (analog der BRK) deutlich stärker in den Blick zu nehmen und diese sys
tematisch abzubauen. Die Umsetzung der UN-BRK muss als Instrument zur Verwirklichung gleichberechtigter Teilhabe verstanden werden. Die Sozialgesetzbücher allgemein und die UN BRK sind deshalb primär aus einer umweltbezogenen Perspektive zu lesen.

Nicht individuelle Merkmale definieren eine besondere Personengruppe, sondern gesellschaftliche Bedingungen erzeugen Behinderung durch Ausgrenzung und mangelnde Zugänglichkeit.

Finanzielle Mittel sind daher vorrangig für den Abbau struktureller Barrieren und die Schaffung inklusiver Rahmenbedingungen einzusetzen. Individuelle Unterstützungsleistungen können im Einzelfall weiterhin erforderlich sein.

Der VPSA e.V. fordert einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Hilfe für Menschen mit Behinderungen im Kontext der UN BRK: weg von einer reinen fürsorgeorientierten Unterstützung einzelner Menschen, hin zu einer konsequenten Gestaltung einer inklusiven Gesellschaft, die Teilhabe für alle ermöglicht. Hierzu sind alle Sozialgesetzbücher zu überarbeiten.

Saarlouiser Erklärung der VPSA, 11.07.2026

Ethische Prinzipien als Leitbild und Handlungsrahmen

Der VPSA e.V. fordert die Länder auf, ethische Prinzipien verbindlich in der Lehre der Sozialen Arbeit zu verankern. Bezugswissenschaften, beispielsweise die Betriebswirtschaftslehre, sind im Rahmen des Code of Ethics sowie der ethischen Grundprinzipien der Sozialen Arbeit zu vermitteln. Dadurch wird sichergestellt, dass sich Lehre und professionelles Handeln an den ethischen Grundlagen der Sozialen Arbeit orientieren und nicht von einer einseitig technokratischen Perspektive geprägt werden.

Die Soziale Arbeit verfügt mit ethischen Prinzipien und dem Code of ethics in der Sozialen Arbeit über eigene Instrumente des Handelns in der Sozialen Arbeit. Ethische Prinzipien bilden hierbei den Rahmen und dienen als Orientierungsrahmen für konkrete Hilfeplanung sowie Selbstreflexion innerhalb der Profession. Sie basieren auf den Prinzipien der Achtung der Menschenrechte und Menschenwürde, sowie der Soziale Gerechtigkeit. Sie achten internationale Übereinkommen und die Internationalen Menschenrechtserklärungen. Übereinkommen bilden allgemeine Zielsetzungen und anerkannte Rechte, die von der Weltgemeinschaft akzeptiert werden. Sie orientieren sich am code of ethics sowie der internationalen Definition Sozialer Arbeit des IFSW. Sie achten u.a. die obersten Prinzipien der Sozialen Arbeit nach Kaminsky: die Autonomie, das Wohlwollen, das Nichtschaden, die Solidarität, die Gerechtigkeit und die Effektivität. Der VPSA e.V. fordert Ethische Prinzipien in der Lehre zu verankern und Betriebswirtschaft auf ein Minimum zu reduzieren, um eine Orientierung der Sozialen Arbeit an ihrer Ethik und nicht an einer übermäßigen Technokratie zu garantieren.

Hilfeplanung

In der Hilfeplanung dienen sie als Instrument gemeinsam mit dem zu unterstützenden Menschen festzulegen
, welche Ziele erreicht werden sollen und welche Maßnahmen dafür nötig sind. Sie dienen dabei dazu den Hilfeprozess zeit- und zielgerichtet auszurichten, die Wirksamkeit der Hilfe überprüfbar zu machen sowie die Selbstbestimmung und Teilhabe des Betroffenen zu stärken.

Selbstreflexion

Selbstreflexion ist die Fähigkeit, den "Blick nach innen" zu richten und das eigene Ich zu betrachten. Sie verfolgt das Ziel Probleme zu erkennen, Potenziale zu nutzen, Handlungsweisen zu verbessern sowie persönliches Wachstum zu erreichen. Emotionale Intelligenz und Resilienz wird gefördert um Verhaltensmuster zu erkennen.


Saarlouiser Erklärung der VPSA, 11.07.2026

 

Bekenntnis zu Europa

Der VPSA e.V. fordert den Bund und die Länder auf, sich für ein Europa der Vielfalt mit der Orientierung an den Menschenrechten ohne eine übermäßige Technokratie einzusetzen. 


Der VPSA e.V. sieht in geeinten und auf demokratisch aufgebauten Strukturen, in denen die Menschenrechte an oberster Stelle und technokratische Strukturen keinen Platz haben, die Zukunft des Europas der Vielfalt. Die Institutionen des Europas der Vielfalt müssen im Rahmen demokratischer Prozesse gestärkt und in regionalen Strukturen abgebildet werden. Gerade in den Grenzregionen kann das gelebte Europa praktisch erfahren werden. Nationalismus hat in einem Europa der Vielfalt keinen Platz.

Saarlouiser Erklärung der VPSA, 11.07.2026

Freitag, 7. August 2026

Treffen der Landesarmutskonferenzen (LAKs) im Südwesten

SAK auf dem Weg nach Mannheim 
Die Landesarmutskonferenzen (LAKs) im Südwesten trafen sich auf Einladung der LAK Baden-Württemberg in Mannheim, um sich auszutauschen und eine gesellschaftliche Bestandsaufnahme vorzunehmen. Im Mittelpunkt des Treffens stand die Idee, sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und dabei eine Überforderung zu vermeiden. 

Die Teilnehmenden aus Baden-Württemberg und dem Saarland waren sich einig: Aktuelle Strukturpapiere und Gesetzesnovellierungen der Bundesregierung werden in der Gesellschaft als Problem wahrgenommen und erzeugen Zukunftsängste. Hinzu kommt, dass Pressemitteilungen der Boulevardpresse eine Meinungsbildung fördern, die Repression und Klassismus gegenüber Menschen mit Armutserfahrung verstärkt.

Gleichzeitig inszenieren rechte Parteien und Gruppierungen Politik als eine Art Bestrafung der Regierung. Besonders Errungenschaften, die in und nach den 1968er-Jahren erkämpft wurden, geraten dabei ins Visier. Eine Anti-68er-Bewegung strebt an,dass unter dem Diktat des Autoritären eine neoliberale Politik durchgesetzt werden sollund nutzt gezielt emotionale Steuerung, um ihre Ziele durchzusetzen. Diese Bewegung bedient sich der Menschen, die Wut empfinden und sich an vermeintlichen Eliten oder Andersdenkenden rächen wollen. Im Fokus steht dabei die Rücknahme von Rechten, etwa für die queere Community, die Frauenbewegung oder Menschen in Armut. Statt Teilhabe soll hier das Ziel „Verwahrung“ gelten.

Arbeitsphase der Teilnehmenden in Mannheim

Angesichts dieser Entwicklungen waren sich die Anwesenden einig: Es muss gehandelt werden – nicht nur debattiert.


Sachthemen sollen im Rahmen der Lobbyarbeit vorangetrieben und die Debatte über das bereits Erreichte hervorgehoben werden. Die LAKs sehen sich daher in der Pflicht, eigene Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zu leisten, etwa durch Grundsatzpapiere wie das der Saarländischen Armutskonferenz (SAK).



Ein konkretes Beispiel für die Arbeit der LAK Baden-Württemberg ist die Gründung eines Menschenrechtsbüros in Stuttgart (2020/2021), das später nach Offenburg verlegt wurde. In Zusammenarbeit mit einem französischen Partner entstand zudem ein gemeinsames Menschenrechtsbüro in Frankreich, sodass nun beidseits des Rheins eine Anlaufstelle existiert. Diese Aktivitäten führten zu einer engeren Zusammenarbeit im Rahmen der zweisprachigen Zeitschrift Colibri, die seit zwei Jahren als Netzwerk zwischen Deutschland und Frankreich agiert. In diesem Zusammenhang wurde die Frage aufgeworfen, ob die SAK als weitere deutsche Partnerin einsteigen und eine eigene Saarland-Seite in der Zeitschrift gestalten könnte. Als erster Schritt sind zwei Artikel aus dem Saarland geplant: einer zum Teilhabeprojekt „SAK nah Dran“ und ein weiterer zur Struktur und Haltung der SAK. Zudem wurde die Idee diskutiert, in einer der nächsten Ausgaben das Thema Rechtsextremismus aufzugreifen, was die LAK Baden-Württemberg in der Redaktion einbringen wird.

Ein weiteres Anliegen ist die Stärkung der Erwerbsloseninitiativen aus der Tradition heraus. Zudem sollen kleine Gruppen in den jeweiligen Bundesländern gebündelt und gefördert werden. Die LAK Baden-Württemberg informierte darüber hinaus über den Vagabundenkongress, der im Mai 1929 in Stuttgart stattfand – ein Thema, das im Jahr 2029 wieder aufgegriffen werden soll.

Abschließend betonten die Teilnehmenden, dass für die Umsetzung von Teilhabegrundlegend Anerkennung, Gehör, Gemeinschaft und gemeinsames Bewirken in der Gesellschaft notwendig sind. Solidarität ist wichtiger denn je.

In stiller Erinnerung gedachten sie Hans Sander, dem langjährigen Sprecher der LAK Rheinland-Pfalz, der 2026 plötzlich verstorben ist.

 

Wer sind die Landesarmutskonferenzen?

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Landesarmutskonferenzen (LAKs) in Deutschland ist ein Zusammenschluss der Armutskonferenzen auf Landesebene. Sie befasst sich mit aktuellen Armutsthemen wie Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit und ermöglicht den notwendigen föderalen Informationsaustausch, um sich gegenseitig zu unterstützen. Mit ihrer Arbeit leisten die LAKs einen Beitrag zur Überwindung von Armut. Ein zentrales Ziel ist es, in Veranstaltungen und Aktionen die direkte und gleichberechtigte Beteiligung der von Armut betroffenen Menschen zu ermöglichen.

Die Geschäftsstelle der BAG der LAKs wurde 2010 von einem Vertreter der Saarländischen Armutskonferenz (SAK)eingerichtet. Seit 2023 liegt die Zuständigkeit bei der LAK Baden-Württemberg.