Freitag, 29. Mai 2020

Schöne Pfingsten




Menschen helfen mit politischem Auftrag

Was müssen Sozialpädagogen für ihre Arbeit mitbringen? Wie gelingt der Berufseinstieg? Antworten gibt Michael Leinenbach, Vorsitzender des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit e.V. (DBSH), im abi» Interview.

In der Sozialen Arbeit geht es immer um Menschen. Wer in diesem Bereich arbeiten will, sollte kommunikativ und empathisch sein.


abi» Worum geht es in der Sozialen Arbeit?

Michael Leinenbach: Soziale Arbeit befähigt und ermutigt Menschen, die Herausforderungen des Lebens zu meistern und ihr Wohlergehen zu verbessern. Dabei bindet sie die sozialen und politischen Strukturen der Gesellschaft ein und hält sich an die Berufsethik. Neben dem Auftrag, Menschen zu unterstützen, zu fördern und Hilfsangebote zu machen, hat Soziale Arbeit auch einen politischen Auftrag. Sie fördert soziale Entwicklungen, sozialen Zusammenhalt und gesellschaftliche Veränderungen genauso wie die Autonomie und Selbstbestimmung der Menschen auf der Grundlage von Menschenrechten, gemeinsamer Verantwortung, sozialer Gerechtigkeit und Achtung der Vielfalt.

abi» Welche Voraussetzungen sollte ein Bewerber für eine Stelle im Bereich Soziale Arbeit mitbringen?

Michael Leinenbach: Da in dem Beruf immer mit Menschen gearbeitet wird, sollte man kommunikativ sein und den Klienten mit Empathie begegnen können. Weiterhin ist großes Verantwortungsbewusstsein für die Tätigkeit wichtig. Man sollte über eine stabile, belastungsfähige und reflektierte Persönlichkeit verfügen, um die professionelle Distanz in der Berufsrolle nicht zu verlieren.

abi» Welche Fähigkeiten werden darüber hinaus im Studium vermittelt?

Michael Leinenbach: An den Hochschulen lernen die Studierenden Methoden und Strategien, um in der Praxis in der Lage zu sein, Lösungen zu finden und Hilfestellungen zu geben. Grundlagen in Recht und Verwaltung spielen dabei ebenso eine Rolle wie pädagogische Aspekte und Kenntnisse über den zukünftigen Arbeitsbereich, beispielsweise über Kinder und Jugendliche.

abi» In welchen Bereichen werden derzeit Sozialarbeiter und -pädagogen gesucht und wie sind die Beschäftigungsverhältnisse?

Micheal Leinenbach: Aktuell werden in fast allen Handlungsfeldern, von der Jugendhilfe über die Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen sowie Gesundheit bis zur Beratung, qualifizierte Kräfte gebraucht. Es gibt diverse Arbeitszeitenregelungen: von stundenweise über Teilzeit-, Halbtags- bis Vollzeitstellen, wobei Beschäftigungsverhältnisse, die nicht Vollzeit sind, vergleichsweise häufig ausgeschrieben werden. Außerdem finden sich öfter befristete Verträge im Bereich Soziale Arbeit. Im öffentlichen Dienst wird der Tarifvertrag TVöD Sozial- und Erziehungsdienst angewendet, andere Träger sind daran nicht gebunden.

abi» Wie gelingt der Berufseinstieg am besten?

Michael Leinenbach: Praktische Erfahrung ist in der Sozialen Arbeit besonders wichtig. Erste Einblicke erhält man durch Praktika während des Studiums. Sinnvoll ist darüber hinaus eine Berufseinmündung. Das bedeutet, dass nach dem Studium entweder ein Anerkennungsjahr (gibt es noch in einigen Bundesländern) oder andere Formen absolviert werden. Die für manche Tätigkeiten benötigte staatliche Anerkennung erhält man in einigen Bundesländern erst nach einem zusätzlichen Berufspraktikum.

https://abi.de/beruf-karriere/arbeitsmarkt/arbeitsmarktberichte/gsp/sozialarbeiter-sozialpaedagoge017018.htm

Weiterer Artikel:

https://abi.de/beruf-karriere/arbeitsmarkt/arbeitsmarktberichte/gsp/sozialarbeiter-sozialpaedagoge017015.htm

Zu Gast anlässlich der Generalversammlung des luxemburgischen Verbandes

Auf Einladung des luxemburgischen Verbandes "Association Nationale des Communautés Educatives et Sociales" "Lëtzebuerger Fachverband fir Sozial Aarbecht, Bildung an Erzéiung" (ANCES/LFSA a.s.b.l.) konnte Michael Leinenbach, DBSH Landesverband Saarland, an deren Generalversammlung am 20. Mai 2020 teilnehmen. Diese fand teils als Videokonferenz und physischer Präsenz, im Sitzungssaal des CENTRE DE MÉDIATION in Luxembourg-Bonnevoie, statt.
Einen Tagesordnungspunkt bildete die Vernetzung im deutschsprachigen Raum, welche Anfang des Jahres in Köln zum Thema Ethik stattfand.

Michael Leinenbach bedankte sich bei „ANCES“ für die Einladung und hielt nachfolgend aufgeführtes Grußwort. Er entschuldigte sich für die einseitige nationale Grenzschließung aufgrund der Corona Pandemie, auf die weder die Soziale Arbeit in Gänze noch die des Saarlandes hätten Einfluss nehmen konnten. Die nationalen Grenzschließungen stellten gerade neben den Luxemburger_innen auch alle diejenigen Familien vor enorme Herausforderungen, die teils in den unterschiedlichen nationalen Staaten der Grossregion lebten, sowie die Pendler_innen.

Wenn eine Lehre aus der Corona Pandemie zu ziehen sei dann u.a. die, dass Grenzschließungen keinen Sinn machen. Ein Virus würde sich nicht an Landesgrenzen halten, so Michael Leinenbach weiter. Es sei vielmehr zwingend notwendig, Gesundheit und Soziales aus den Mechanismen der Marktwirtschaft herauszunehmen und europäische Lösungen in europäischer Verantwortung zu finden. Das bedeutete, Europa und die Regionen zu stärken und deren Funktionen in und für Europa (was die Corona Pandemie an den Tag brachte) entsprechend zu würdigen. Nationale Egoismen müssten in einem solidarischen Europa und gestärkten Regionen weichen.

„Nach der Erfahrung der Corona Pandemie muss daher allen Verantwortlichen bewusst sein, dass die Zukunft in den Regionen und Europa liegt. Auch wir müssen unseren Beitrag durch aktive politische Einflussnahme dazu leisten“, resümierte Michael Leinenbach abschließend

Autor: Michael Leinenbach